YIN ist IN – Interview mit der YIN-Yogalehrerin Alexandra Bitsch

Alexandra BitschIm heutigen Interview spreche ich mit einer Yogalehrerin, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in Indien ihr Zuhause hat. Alexandra Bitsch verbringt die warmen, sonnige Monate in Deutschland und wenn es Winter wird in Indien. Somit kann sie  Yoga immer an der Sonnenseite unterrichtet :-) Alexandra hat uns in der YogalehrerInnenausbildung einen intensiven Einblick in YIN Yoga gegeben, welches sie mit Leidenschaft unterrichtet und an ihre SchülerInnen weiter gibt.

Alexandra, du unterrichtest als eine der ersten Lehrerinnen YIN Yoga. Für wen ist diese Yoga-Art geeignet?

Grundsätzlich für Jede/n. Das Schöne am YIN Yoga ist, dass sowohl Einsteiger, als auch „Profis“ gleichermaßen profitieren können. Es geht darum, seine Grenzen zu erforschen und sich auszuprobieren – ganz ohne Leistungsdruck! YIN Yoga ist sehr frei und ohne Dogmen, „falsch“ ist nur, wenn man entweder nichts oder sogar Schmerzen spürt. Alles andere dazwischen ist die individuelle Spielwiese eines jeden Übenden. Gerade sehr erfahrene Yogis haben oftmals erstaunliche Aha- Erlebnisse.

Als Betriebswirtin ist man doch eher zahlen- und faktenorientiert. Wie kam es bei dir damals dazu, dass du eine neue Ausrichtung hin zu mehr Yoga ergriffen hast?

Vor ziemlich genau 6 Jahren habe ich mich entschlossen mein Leben nachhaltig zu verändern: ich habe meinen Job gekündigt, alles verschenkt oder verkauft und bin mit dem Rucksack nach Indien. Der Grund war ein großer Leidensdruck und ein Gefühl, dass das Leben an mir vorbei zieht. Ich hatte immer einen Spruch von Buddha in meinem Office hängen: „Es gibt nur eine Zeit, in der es wesentlich ist aufzuwachen – diese Zeit ist JETZT.“ Und nach einem intensiven Erlebnis während eines Vipassana-Retreats war es dann endlich ZEIT für mich. Erstaunlicherweise ging das Loslassen ganz natürlich und reibungslos und ich bin tief in das Leben eingetaucht. Yoga, philosophische Arbeit, Freunde und Meditation haben mir unheimlich auf meinem Weg geholfen. Natürlich war nicht immer alles einfach, aber es war eine ganz intensive Zeit und ich habe mehr über mich und das Leben gelernt, als ich jemals auf einer Universität hätte lernen können.

Und wie hat sich dein Leben durch diesen Schritt verändert?

Mein Leben fühlt sich heute nach eng und grau „rund und bunt“ an. Ich bin dankbar und frei. Ich lebe seit einigen Jahren nach dem Pipilotta-Prinzip und mache meine kleine Welt, wie sie mir gefällt – unter Rücksichtnahme auf meine Umwelt.
Heute bin ich lustigerweise wieder teils in der Wirtschaft, teils als Yogalehrerin tätig, lebe mit meinem Partner und einigen adoptierten Tieren auf einem ehemaligen Bauernhof und leite für ein paar Monate im Jahr eine kleine Yogaschule in Indien. Dieser „Spagat“ erfüllt meine Bedürfnisse nach Sicherheit und Freiheit und ich schaue, dass ich immer noch genügend Raum für kreative Projekte und kleinere Verrücktheiten habe.

Wow, das klingt sehr spannend! Alexandra, welchen Rat würdest du mit deinen Erfahrungen einem Yoganeuling geben?

Zuerst einmal ist es doch so, dass wir alle immer lernen dürfen. Und egal, ob man 1, 10, oder 20 Jahre übt, hören die Herausforderungen des Lebens ja nie auf. Eine spirituelle Praxis bewirkt bei einigen Menschen relativ schnell tiefe Veränderungen. Ein guter Lehrer sollte einem „Neuling“ zur Seite stehen, ihn motivieren und begleiten aber gegebenenfalls auch bremsen, so dass eine gesunde Balance entsteht. Der Yoga sollte sich immer frei und liebevoll anfühlen. Sollte ein Gefühl von Druck oder psychischer Abhängigkeit entstehen, ist das für mich ein Zeichen zur Vorsicht.
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich auszuprobieren. Einfach schauen, was für Stilrichtungen und Lehrer es gibt und sich dann für das zu entscheiden, was man in der derzeitigen Lebensphase am meisten braucht. Hilfreich ist auch, wenn man sich austauscht und vor allem die engsten Menschen mit einbezieht.

Du organisierst nicht nur Yoga in Deutschland, sondern auch in Indien. Dort können die Menschen mit dir intensiv Yoga erleben. Wie empfindest du die Verwandlung deiner Teilnehmer in deren Urlaub?

Eine andere Umgebung bewirkt immer auch eine Veränderung in einem selbst. Auf Reisen sind die Menschen befreit von Gewohnheiten und Pflichten, dabei entsteht Raum und Offenheit für Neues. So entsteht oft eine kindliche Freude. Die Menschen nehmen die Natur, ihre Umwelt und sich selbst ganz anders wahr und gerade in Indien spürt man eine unheimliche Lebendigkeit. Ich freue mich immer sehr, wenn Reisende wichtige Erkenntnisse und Geschenke im Köfferchen mit nach Hause nehmen. Viele entscheiden sich zum Beispiel nach einem Indienaufenthalt ganz von selbst, Vegetarier zu werden.

Du hast immer viele Pläne und Vorhaben. Wie sieht für dich das Jahr 2017 aus?

2016 war ein Jahr der Friedenspfeife mit der Vergangenheit. 2017 wird sehr arbeitsreich, es stehen viele spannende Projekte an. Einiges darf ich schon verraten: Ich mache mit in einer YIN-Klang-Yoga-Combo. Die Idee kam von einer Seminarteilnehmerin, die ein begnadetes Händchen für Instrumente hat und wir werden zusammen Workshops YIN mit Klängen anbieten. Das wird Klasse und ich freue mich schon sehr darauf! Weiterhin arbeite ich mit einem wunderbaren Coach für Führungskräfte zusammen, eine Art Body&Mind-Work, hier kann ich mein BWL-Studium und Yoga miteinander verbinden.
Dann möchte ich unbedingt noch mehr lernen. Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit Yogatherapie und Anatomie…
Privat bleibt hoffentlich alles so, wie es ist. Alle um mich herum sind munter und gesund. Das ist das Wichtigste.

Alexandra, was ist dein persönlicher Schlüssel zur Zufriedenheit?

Für mich ist das Ziel einer spirituellen Praxis, dass ich mich selbst erkenne. Dass ich verstehe, was mich zu meinem persönlichen Frieden, zu Santosha, führt. Unsere Gesellschaft basiert auf einem System des ständigen Mangelgefühls. Es ist für uns alle eine alltägliche Herausforderung zu unterscheiden, was man wirklich braucht und wer oder was einem gut tut. Vor allem Indien hat mich eine große Demut gelehrt. Ich bin überzeugt, dass man innere Zufriedenheit auch lernen kann. Nicht alles für selbstverständlich zu nehmen, nicht jedem Trend hinterherzurennen, sich selbst treu und authentisch zu bleiben, Bescheidenheit im Alltag zu üben, dankbar zu sein, für das was wir haben und für die kleinen Sternschnuppen, die wir so gern übersehen. Und Krisen als Chancen zu sehen. Das YIN und YANG in der Balance zu halten. Das ist eine lebenslange Lernaufgabe. Namasté!

Liebe Alexandra, vielen Dank für das Interview mit dir und deine Worte. Da bekommt man gleich Lust, sich auf die Matte zu begeben!

 

Mehr über Alexandra gibt´s unter www.yoga-sanus.de. Dort bekommst du auch Informationen über die nächste Möglichkeit zusammen mit Alexandra Yoga im wunderschönen Indien zu erleben.

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