Wie wir anderen begegnen, wenn wir auf der Straße sind

Ärger im Verkehr

Als ich gestern zu meinem Auto lief, sind mir innerhalb 10 Sekunden zwei Situationen aufgefallen, die mich entsetzten:

1. Situation
Ein Autofahrer fuhr an eine Kreuzung und hielt halb auf dem Radweg. Ein Radfahrer kam über diese Kreuzung gerast. Er fuhr langsamer, zeigte dem Autofahrer den Mittelfinger und brüllte ihn an. Der Autofahren sah dabei total entsetzt und überrascht aus.

2. Situation
Ein anderer Autofahrer fuhr aus einer Kreuzung hinter eine wartende Schlange an der Ampel. Ein herabsausendes Auto von hinten hat sich wohl geärgert, dass er wegen ihm nun den 15. statt den 14. Platz in der Schlange hat. Er lies den ganzen Klang seiner Hupe erklingen und zeigte dem Vordermann ordentlich die Stoßstange.

Wenn ich mir vorstelle, ich wäre z. B. total gut gelaunt und freue mich nach Hause zu meiner Familie zu kommen und mit ihnen lecker zu essen. Sitze also mit so einem wunderbaren Gefühl im Auto, höre vielleicht noch tolle Musik und singe mit. Fahre, ohne mir etwas böses zu denken, gut gelaunt an die Kreuzung. Plötzlich rast von links ein Radfahrer an und beschimpft mich und zeigt mir sogar den Mittelfinger… Kein schönes Gefühl. Was passiert mit meiner guten Laune? Na, die wird wohl nicht mehr so groß sein, wie vorher.
Wie wird es wohl dem Radfahrer gehen? Vielleicht hat er einen ganz miesen Tag gehabt und kann es dann überhaupt nicht brauchen, wenn ihm auch noch dusselige Autofahrer auf den Straßen unterwegs sind, die ihm auch noch den Platz auf dem Radweg einengen. „So ein A…! Der spinnt doch!“

In beiden Fällen wird man sich wohl nicht gerade gut fühlen. Der Mann in dem Auto nicht, dem einfach so ein respektloser Mittelfinger gezeigt wurde und auch der Mann auf dem Fahrrad, der seine schlechte Laune wie Konfetti in der Welt verteilt.

Wir können uns nun ebenfalls aufregen und dem Radfahrer den Finger zeigen und ihm vielleicht noch schlimmere Schimpfwörter an den Kopf werfen. Alle Wörter, die man schon lange nicht mehr genutzt hat. Wir steigern uns so rein, dass der letzte Funke an gute Laune und Freunde in uns verschwunden ist. Wir fahren so weiter, sind vielleicht zu anderen Autofahrern genauso aggressiv und gehen so zu unserer Familie…
Oder wir atmen in dieser Situation tief durch! Ein- zweimal kann schon helfen. Wir beruhigen uns und haben vielleicht Mittleid oder sogar Verständnis für den armen Radfahrer, der so schlechte Laune hat. Wenn wir uns vorstellen, wir könnten ihm ein wenig von unserer guten Laune abgeben, ihm ginge es besser, wäre fröhlicher, lächelt uns das nächste Mal an einer Kreuzung an – wäre das nicht eine schönere Vorstellung?

Das Sanskrit-Wort „Ahimsa“ bedeutet so viel wie „Nicht verletzen“. Verletze nicht dich und verletzte auch nicht deine Umwelt. Sei gut zu dir, sei gut zu allen anderen und du kannst die Welt verändern und verbessern. Denke dabei nicht nur, was du in dir auslöst und durch dein Handeln verursachst, sondern denk auch an andere. Denn auch ihr Leben wird durch dein Handeln (teilweise) beeinflusst.

Bildquelle: ©farbkombinat/fotolia.com

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